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Tag der Immobilienwirtschaft: Bauen und Wohnen weiter denken

„Von der Vision in die Praxis“ in die Praxis war das Forum B0 überschrieben, und der Vormittag widmete sich mit Referenten aus Politik, Wissenschaft und (Wohnungs-) Wirtschaft dem Oberthema Wohnungsknappheit.

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Starker Andrang am 3. Tag der BAU 2019

Beginnen wir mit dem (erfreulichen) Fazit: „Wir haben verstanden“, war der Grundtenor der Vorträge. Einleitend erläuterte Dr. Robert Kaltenbrunner vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die demographischen Einflussfaktoren auf die Wohnungsnachfrage in Deutschland: Zusammengefasst wachsen in Deutschland die Großstädte überproportional, während ländliche Regionen vor allem im Osten rapide Einwohner verlieren. Sowohl Zunahme als auch Rückgang der Einwohnerzahlen werden in erster Linie durch Binnenwanderung verursacht, nicht durch eine Veränderung der Geburten- oder Sterbeziffern. Besonders mobil sind Studien- und Berufsanfänger, die es in die Groß- und Schwarmstädte zieht. Ein Zurück in die (ländliche) Heimat nach Ausbildungsende findet so gut wie nicht statt, resümierte Kaltenbrunner. Aus diesen Faktoren resultiert eine immer stärkere Nachfrage nach Wohnraum in den attraktiven Städten, während im ländlichen Raum Leerstandsquoten bis 10 % vorkommen und damit zu einer regionalen und sozialen Polarisierung beitragen.

Auf dieses Ungleichgewicht reagiert der Wohnungsmarkt nur sehr schwerfällig. Nicht jedoch die Grundstückspreise: Die sind in den letzten 10 Jahren in den zuzugsstarken Städten um durchschnittlich 50 % gestiegen! Das ist einer der wesentlichen Faktoren dafür, dass vermehrt hochpreisig und kaum noch im bezahlbaren Segment Wohnungen gebaut werden und Wohnen im Neubau auch für Normalverdiener immer seltener bezahlbar ist.

Was Staatssekretär Adler am Montag angerissen hatte,  präzisierte Kaltenbrunner anschließend: Als Mittel gegen die Knappheit innerstädtischer Baugrundstücke wünschte er sich eine kommunale Bodenvorratspolitik und gegen die Verdrängung und Gentrifizierung traditioneller Wohnquartiere eine breit angelegte Strategie zur Quartiersstützung und einen interkommunalen Ausgleich zur Abfederung von Bedarfsspitzen. Eine rein ökonomisch orientierte Herangehensweise sah er kritisch: Eine kleinteilige Quartiersentwicklung bietet seiner Meinung nach Vorteile hinsichtlich Lebensqualität, erschwert jedoch Skaleneffekte. Auf die spannende Frage der Abwägung zwischen Lebensqualität und Rendite, zwischen sozialem Wohnungsbau und Investoreninteressen gibt es keine einfachen Antworten, konstatierte er. Nur im Rahmen eines Zusammenwirkens von gesellschaftlichen, juristischen und technischen Faktoren könne die Herausforderung bewältigt werden.